Wer kennt es nicht, du tust irgendwas und hast das Gefühl, du wirst einfach nicht fertig damit. So geht es mir hin und wieder beim Laufen. Ich spule Kilometer für Kilometer runter und irgendwie habe ich das Gefühl, ich komme nicht voran. Es ist nahezu mit Langeweile zu vergleichen. Jetzt könnte man sich natürlich die Frage stellen, woran das manchmal liegen mag? Aber das soll jetzt gar nicht das Thema sein. Vielmehr, was tue ich persönlich, damit das Laufen an solchen Tagen während des Laufens (meine Güte, was für ein Satz) zur Nebensache wird.

Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, sobald man seine Gedanken während einer vielleicht ungeliebten, unangenehmen oder auch langweiligen Tätigkeit auf irgendwas Interessantes fokussiert, dann geht einem auch eine noch so ätzende Aufgabe lockerer von der Hand. Mir ist natürlich bewusst, sowas lässt sich immer leicht sagen und oft ist es auch nicht wirklich ratsam sich nicht auf das Wesentliche zu konzentrieren, aber hier geht’s ja in erster Linie ums Laufen und auf langen Distanzen denke ich nun mal liebend gerne über tausende Dinge nach, statt mich auf die Belastung oder gar die Schmerzen zu konzentrieren. Und genau das habe ich vor zwei Tagen auch wieder getan, was mich dazu gebracht hat, einen Blogbeitrag zu verfassen. 

Langeweile

Am letzten Mittwoch gegen ca. 18:15 Uhr bin ich, wie so häufig, spontan zu einer kleinen Laufrunde von ungefähr 11 km aufgebrochen, bevor die Langeweile mich überkommt. So richtig viel Lust hatte ich nicht, aber oft kommt diese ja während des Laufens. Diesmal aber hielt sich die Lust echt in Grenzen. Die Beine waren schwer, der Puls war auch etwas höher als sonst und wie zuvor beschrieben, hatte ich das Gefühl, der Lauf würde nie enden. Was also tat ich? Ich habe besonders aufmerksam auf alle Menschen geachtet, die mir an dem Abend entgegen oder auch an mir vorbeigefahren sind. Denn untypischer Weise waren es dieses Mal verhältnismäßig viele Leute. Und da ich ja von Haus aus ein freundlicher Mensch bin, grüße ich in der Regel jeden der mir entgegenkommt, natürlich nur während des Laufens 😉 Und nun kommt es! Ich finde es unfassbar interessant, wie unterschiedlich die Menschen sind und demnach natürlich auch reagieren.

Als erstes war da der „gequälte“. Ein Radfahrer, der es mit einer Steigung zu tun hatte die ihn anscheinend voll im Griff hatte. Denn seinem vor Anstrengung angespannten Gesichtsausdruck war zu entnehmen, dass er, wenn er nicht müsste, sich dieser Steigung wahrscheinlich nicht gestellt hätte. Einen freundlichen Gruß meinerseits, erwiderte er mit seinen letzten Kräften, ebenfalls mit einem freundlichen Grinsen. 

Dann war da die „nette“. Ich schätze, eine so ca. 35-jährige Läuferin, in einer wirklich sehr modischen Tight. Dazu farblich, so könnte man meinen, abgestimmte Laufschuhe. Je dichter wir uns kamen, umso besser konnte ich aus der Ferne schon ihr freundliches Gesicht erkennen und mein Eindruck hatte mich nicht getäuscht. Wie auch ich, grüßte sie nicht einfach nur so in Form des Handhebens, nein, es kam sogar ein wirklich nettes „Hallo“ über ihre Lippen. Ach ja, von Erschöpfung war bei ihr so rein gar nichts zu spüren. OK, vielleicht ist sie auch gerade erst losgelaufen.

Oh je, dann war da noch der „grimmige“. Der grimmige Läufer. Manchmal erkennt man ja schon am Laufstil, was einem gleich widerfahren wird. Ein netter Gruß und dazu, wie bei der „netten“, ein Lächeln. Hier hatte mich aber meine Menschenkenntnis ganz und gar verlassen. Denn je dichter der schon leicht betagte Herr kam, desto mehr sah ich in ein Gesicht, in welches ich am liebsten gar nicht geschaut hätte. Grimmig, hasserfüllt und absolut aggressiv, zumindest war es dass was ich sah. Ganz ehrlich, vielleicht tat ich ihm mit meiner Einschätzung auch Unrecht, aber wie heißt es so schön, der erste Eindruck zählt. Nun gut, wie immer grüßte ich mit einem freundlichen Grinsen und das Heben meiner rechten Hand. Ein „Hallo“ traute ich mich nicht zu sagen. Zu meiner Überraschung grüßte er auch und dann waren wir auch schon aneinander vorbeigelaufen. 

So ziemlich kurz vor meinem Ziel lief mir dann der „nickende“ noch über den Weg. Ich weiß nicht, aber zu diesem jungen Mann, er mag so um die Mitte 20 gewesen sein, gibt es nicht viel zu sagen. Ein doch eher unscheinbarer Zeitgenosse im lässigen Sportdress, der echt zügig unterwegs war und meinen Gruß mit einem flotten Kopfnicken erwiderte. Ich nehme mal an, er war im Zeitdruck.

Und zu guter Letzt waren da noch die beiden älteren Herrschaften auf ihren windschnittigen Fahrrädern. Aufgrund ihrer recht groß dimensionierten Helme war es mir gar nicht möglich das Alter der beiden einzuschätzen, aber darauf kam es auch nicht an. Denn dass was ich total klasse fand und was an diesem Abend die totale Ausnahme war, beide, ich nenne sie mal „Omi“ und „Opi“, haben mir von sich aus, bevor ich überhaupt aktiv werden konnte, ein wirklich freundliches „Guten Abend“ zugerufen. 

Natürlich gibt es auch Menschen die wegschauen und die keinen Gruß erwidern. Ganz ehrlich, darüber möchte ich nichts weiter schreiben. Wir leben sowieso in einer Zeit, wo es immer mehr nur noch um das eigene „Ich“ geht. Stichwort: Egoismus. Was ich persönlich sehr dramatisch finde. Wenn es schon so ist, dass man sich heutzutage nicht mal mehr ein Grinsen zuwirft, dann sollte es doch wenigstens unter Gleichgesinnten Sportlern der Fall sein oder nicht? Ich bin davon überzeigt, dass ein nettes Lächeln oder Grinsen weder wehtut, noch viel Mühe kostet.  

Jetzt weißt du, wie ich mir manchmal versuche die Zeit während eines Laufes zu vertreibe. Und glaube mir, sich während eines langen Laufes irgendwie abzulenken, kann wahre Wunder bewirken.

Vor einiger Zeit habe ich für einen Blog ein kleines Interview gegeben, welches hier zu finden ist: Mein Interview


Passende Motivationssprüche, um sich oder jemand anderes zu motivieren.