Der Haspa Marathon – mein bisher größtes Projekt!

Ende 2017 bin ich zu einem Projekt überredet worden, von dem ich zu diesem Zeitpunkt wirklich keine Ahnung hatte, was das für mich konkret bedeuten und mit sich bringen würde. Es war der Haspa Marathon am 29.04.2018 in Hamburg.

Ich gebe zu, seitdem ich laufe (im April 2013 habe ich begonnen) bewundere ich Menschen, die es schaffen 42,2 km am Stück zu laufen. Und ich habe mich oft gefragt, ob ich jemals an diesen Punkt kommen würde, einen kompletten Marathon zu laufen. Und genau so oft habe ich mir gesagt “Jan, was für eine doofe Frage, natürlich werde ich das niemals tun.” Das war der Stand 2013.

Während meiner nunmehr fünfjährigen Laufkarriere habe ich einige persönliche Meilensteine erreicht. Da waren die 5 km, worauf dann schon bald die 8 und 10 km folgten. Was war ich stolz, das erste Mal 10 km gelaufen zu sein. Und schließlich ging es weiter bis hin zu meinem ersten Halbmarathon 2015 in Hamburg. Nach 2:21 h habe ich damals die Ziellinie überquert. Von da an wurde jeder gelaufene Halbmarathon immer ein Stückchen schneller.

Und dann kam der Moment der Anmeldung zum Haspa Marathon in Hamburg. Ja, es war schon komisch, bei der Onlineanmeldung auf Anmeldebutton u drücken, denn wie schon erwähnt, ich wusste definitiv nicht was auf mich zukommen würde, aber ich dachte mir, genau das gleiche Gefühl überkam mich bei meiner ersten Halbmarathon Anmeldung auch, mit etwas Training wird das schon was werden. Nun ja, die Zeit verging und plötzlich war er auch schon da, der Tag an dem ich so langsam mal mit de Training anfangen sollte. Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass ich das ganze Jahr über laufe, egal ob  Sommer oder Winter. Nur genau zu dem Zeitpunkt, an dem mein Trainingsplan eigentlich starten sollte, war es tagelang so dermaßen kalt, regnerisch, stürmisch und sogar geschneit hatte es, dass ich mich nicht dazu durchringen konnte, draußen zu laufen. Der ein oder andere Lauf war selbstverständlich dabei, aber einiges wiederum habe ich versucht aufs Laufband zu verlegen. Wer mich kennt der weiß, wie sehr ich doch das Laufband hasse. 5 km, mehr sind bei mir auf dem Laufband in aller Regel nicht drin. Diesmal musste ich mich so dermaßen zusammenreißen, ach 8, 9 und 10 km Läufe darauf zu absolvieren. Was für Qualen! Dennoch habe ich es im Februar auf immerhin 141 km geschafft, im März hingegen auf lausige 115 km, was für die Vorbereitung eines Marathons definitiv zu wenig ist.

Vor dem Hintergrund, einfach zu wenig für die Distanz von 42,2 km trainiert zu haben, war ich mir drei Wochen vor dem Haspa Marathon nicht mal sicher, überhaupt anzutreten. Aber, ich gebe niemals auf und wollte diesen Lauf unbedingt machen. Also nutzte ich die letzten drei Wochen um nochmal die Langdistanz zu trainieren. Nachdem ich das erste Mal die 30 km und das auch noch wirklich entspannt gelaufen bin, stand die Entscheidung: Ich trete an!

Der Wettkampftag kam immer näher und plötzlich war er da. Der Wecker klingelte um 5 Uhr Morgens und um kurz nach 6 Uhr war auch schon Matthias da, um mich abzuholen. Mit der S-Bahn sind wir zum Bahnhof Hamburg Dammtor gefahren, von wo aus wir noch ein wenig zu gehen hatten. Es war noch etwas frisch und über meine Aufregung schreibe ich jetzt mal nichts. Da der Start und das Ziel des Haspa Marathons an den Messehallen war, war viel Platz für die Massen an Läufern und Zuschauern vorhanden. An dieser Stelle muss man mal ein großes Lob an den Veranstalter richten. Mir gefielen die Organisation sowie der gesamte Ablauf wirklich sehr gut!

Nun war es soweit, ich stand im Startblock “H” und die Uhr schlug 9:32 Uhr. Startschuss! Erstmal bewegte sich in meinem Startblock rein gar nichts, aber das war bei der großen Anzahl an Läufern auch normal. Ich bin mir nicht sicher, aber nach etwas mehr als 7 Minuten bin ich dann endlich über die Startlinie gelaufen und die Zeit lief. Im Vorwege habe ich mir fest vorgenommen, eine Pace von 6:20 bis 6:30 Min. zu laufen, zumindest war das ein gutes Tempo, welches ich bei meinen letzten Longruns getestet und für gut befunden habe. Es funktionierte auch soweit recht gut. Einige Male musste ich das Tempo etwas reduzieren, da ich durch die Masse dazu neigte schneller zu werden. Insgesamt war aber alles in bester Ordnung. Das Wetter war grandios, vielleicht vereinzelt etwas zu warm, aber dennoch gut.

Ich spulte einen Kilometer nach dem anderen runter und war begeistert von den jubelnden Menschen entlang der Strecke. Dan kam km 14 und es ging leicht bergauf. An sich nichts besonderes, aber ich verspürte eine starke Belastung. Meine Uhr verriet mir, dass ich noch immer innerhalb meiner geplante Pace lag, also weder zu schnell noch zu langsam. Nun gut dachte ich, die Steigung ist erledigt und weiter ging´s. Ab diesen Zeitpunkt hat sich bei mir der Gedanke breit gemacht, dass irgendwann der Mann mit dem Hammer kommt und schließlich lies er tatsächlich nicht lange auf sich warten. Ab km 18  fing es an. Jeder Kilometer wurde schwieriger und schwieriger. Bei km 25 dann war der Punkt erreicht, an dem ich das erste Mal ans Aufgeben dachte.

Haspa Marathon

Die Erschöpfung ist ganz klar zu erkennen

Ich suchte nach Abkürzungen und Wegen, um irgendwie zu den Messehallen zurück zu kommen, meine Sachen zu holen und nach Hause zu fahren. Ab es bot sich mir keine Gelegenheit, so sehr ich auch suchte. Also ging ich zunächst, um so vielleicht den Schmerz in den Beinen loszuwerden, aber das Gegenteil trat ein. Die Belastung bei Gehen und der Schmerz in den Oberschenkeln wurde eher noch mehr als weniger. Ich hatte das Bedürfnis mich hinzusetzen, aber auch hier ergab sich nicht wirklich eine adäquate Gelegenheit. Und ganz ehrlich, auf den Randstein oder gar auf die Straße wollte ich mich nun auch nicht setzen. Somit blieb nur eins, ich musste irgendwie weiter. Der Gedanke aufzugeben verstärkte sich immer mehr. An jeder Erste Hilfe Station habe ich überlegt, da kehre ich jetzt ein. Nur was hätte die Damen und Herren tun können? Genau, nichts was mich zurück zum Start/Ziel bringen würde. Somit ging ich immer weiter, versuchte immer wieder zu laufen. Dann ging es mal für einen Kilometer wieder besser, dann kam er wieder, der krampfartige Schmerz in den Oberschenkeln. Was konnte ich nur tun, damit das Elend ein Ende hatte. Nicht viel, entweder auf den Besenwagen warten, der war aber noch viel zu weit hinter mir oder weiterzumachen. Ich entschied mich für das Letztere.

Auch wenn ich viel gegangen bin, die Kilometer bis ins Ziel wurden immer weniger und der Gedanke des Aufgebens war plötzlich weg! Ich wollte ins Ziel kommen und ich wollte diese verdammte Medaille haben und… ich wollte mein Finisher-Shirt zu Recht tragen dürfen, denn schließlich habe ich da 26 € für hingelegt. Ich muss zugeben, ich habe so gekämpft, wie ich es bisher noch nie tun musste und mein Wille das Ziel zu erreichen wurde stärker und stärker. Und plötzlich sehe ich das Schild 38 KM. Nun ist es fast geschafft. Was kurz danach passierte, ist mir ehrlich gesagt so noch nie passiert. Mir kamen plötzlich die Tränen. Freudentränen! Ich dachte wirklich, das gibt es doch jetzt nicht und ich konnte es nicht unterdrücken. Von da an war mir klar, ich schaffe das und lange wird es nicht mehr dauern.

Haspa Marathon

Kilometer 38 ist erreicht!

Es ging weiter und weiter und kurz vor km 41 kam mir plötzlich Matthias auf der Laufstrecke entgegen, der bereits lange im Ziel war. Auch das hat mir nochmal einen Schub gegeben. Was aber mega überraschend für mich war und worüber ich mich total gefreut habe: plötzlich standen meine Familie sowie Annika, die Frau von Matthias, die verletzungsbedingt nicht mitlaufen konnte, an der Strecke, womit ich ja nun gar nicht gerechnet hatte und was auch nicht geplant war, zumindest wusste ich nichts davon.

Nach all diesen Strapazen und Highlights kam er dann endlich, der Zieleinlauf nach 5:40 h.

Haspa Marathon

Ich war überglücklich und stolz zugleich, es geschafft zu haben, zwar nicht ansatzweise in der Zeit die ich mir vorgestellt hatte, aber das war mir total egal. Ich würde sagen, das Projekt Marathon ist erfolgreich abgeschlossen. Auf die Frage ob ich das nochmal machen würde kann ich nur antworten: Ich glaube schon!

Haspa Marathon

Ich bin noch immer so dermaßen überwältigt von dem was ich geleistet und geschafft habe. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle noch einen tollen Spruch zum Nachdenken mit auf den Weg geben, den ich vorhin gerade bei Instagram gelesen habe.

Man verliert niemals seine Stärke. 
Manchmal vergisst man nur, dass man sie hat.

Dieser Spruch stammt von Dr. Biyon Kattilathu und genau das ist es, was mir geholfen hat die Distanz von 42,2 km hintern mich zu bringen. Bei mir war es in erster Linie die Willensstärke, die ich geschafft habe, wieder zurück zu holen.

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